Mein Austauschsemester ist vorbei: Gestern Abend zu Hause in der Schweiz angekommen.
Nachdem ich in der letzten Mai-Woche meine Kurse abgeschlossen hatte, galt es, langsam aber sicher Abschied zu nehmen von Viña del Mar. Zuerst aber musste die Wohnung geputzt und die Schlüssel abgegeben werden. Von Donnerstag bis Sonntag wohnte ich bei meinen Freunden Alexandra, Jérôme und Edouard (mit welchen ich die nächsten zwei Wochen in Argentinien verbringen würde), da mein Mitbewohner Ano an jenem Donnerstag nach Frankreich zurückkehrte und ich die Wohnung nicht alleine abgeben wollte. Am Freitag organisierten wir vier ein grosses Abschiedsfest, wo wir alle unsere Freunde eingeladen hatten. Der Abend war toll und wir fanden erst gegen acht Uhr morgens den Weg ins Bett – eine würdige Abschiedsparty.
Am Sonntag fuhren wir dann zusammen nach Santiago de Chile, wo wir bei Freunden übernachteten. Am folgenden Morgen begaben wir uns zum Busterminal, wo der Bus nach Buenos Aires schon bereitstand. Die folgenden zirka zwanzig Stunden verbrachten wir im Bus, was zwar nicht sehr angenehm tönt, aber eine durchaus positive Erfahrung war: Einerseits entschieden wir uns für einen Bus der Klasse „Cama“, die nur drei Sitze pro Reihe aufweisen und in denen man im Normalfall gut schläft, andererseits wird man in argentinischen Busen gastronomisch schon beinahe verwöhnt: Das Nachtessen beispielsweise besteht aus einem Salat, einer Vorspeise, einem warmen Hauptgang und einem Dessert, dazu wird einem Wein und als Schlummertrunk Whisky serviert. So erreichten wir am Dienstagmorgen mehr oder minder gut ausgeruht Buenos Aires, wo wir uns bei einem Freund meiner drei Freunde einquartierten. Danach begaben wir uns ins Stadtzentrum, um einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Ich fand es interessant, wie europäisch Buenos Aires im Vergleich zu anderen südamerikanischen Grossstädten ist; die grosse Mehrheit der Bevölkerung stammt zu 100% von Europäern ab. Da Alexandra an jenem Dienstag ihren Geburtstag feierte, gingen wir am Abend in ein feines Restaurant und liessen den Tag so ausklingen.
Am Mittwochnachmittag ging unsere Reise dann bereits weiter – wir begaben uns auf den Weg nach Puerto Iguazú, wo wir die berühmten Iguazu-Wasserfälle besichtigen wollten. Kurz nach unserer Ankunft am Donnerstagmorgen buchten wir eine Fahrt im Minibus zur brasilianischen Seite der Iguazu-Fälle, wo wir nach unkomplizierten Kontrollen an der Grenze gegen 11 Uhr ankamen. Obwohl der Fluss Iguazu weniger Wasser als normalerweise führte, zog uns die Schönheit der spektakulären Wasserfälle schnell in den Bann; wir waren überwältigt. Bevor wir wieder nach Argentinien zurückkehrten, genossen wir uns eine ausgezeichnete brasilianische Caiphirinha, was mir als Caipirinha-Fan besonderes Vergnügen bereitete. Abends gönnten wir uns eine „Parrilla libre“ – Fleisch vom Grill à discrétion!:-) Die argentinische Seite, welche wir am nächsten Tag auskundschafteten, war dann sogar noch spektakulärer als die brasilianische Seite – am besten schaut ihr euch die Fotos an, um euch ein Bild zu machen.
Am Samstagnachmittag erreichten wir Buenos Aires wieder, wo wir am Abend bei Freunden eingeladen waren und dann, so „richtig südamerikanisch“, um zirka halb vier in einen Club gingen. Entsprechend kamen wir erst gegen acht Uhr nach Hause, was insofern problematisch war, als der French Open-Final mit Roger Federer um zehn Uhr begann. Als richtiger Fan schaute ich mir natürlich trotzdem den ganzen Match an und war extrem glücklich, als er als Sieger feststand. In den nächsten Tagen erkundeten wir Buenos Aires so richtig als Touristen, und sahen beispielsweise das berühmte Boca-Quartier und den Cemeterio de La Recoleta. Auch aus gastronomischer Hinsicht war Buenos Aires eine interessante Erfahrung: Viele Leute, also beispielsweise auch Austauschstudenten, kochen zu Hause gar nicht mehr, sondern bestellen ihr Essen immer auswärts, da es so günstig ist. Die Auswahl ist schier unbegrenzt: Pizza, Pasta, Fleischgerichte, chinesisches Essen, Sandwiches, Empanadas, etc, und alles in guter Qualität. Auch wir profitierten von den extrem tiefen Preisen und liessen uns einige Male das Essen nach Hause liefern. Am letzten Abend in Buenos Aires schliesslich gingen wir ins Restaurant „Las Cabras“, wo ich das wohl beste Stück Fleisch meines Lebens, einen perfekt gegrillten „bife de lomo“ verspeiste.
Am folgenden Mittwochmorgen erreichten wir Mendoza, wo wir uns in einem uns empfohlenen Hostal niederliessen. Am Mittag waren wir in der Bodega „Ruca Malen“, die dem Grossonkel von Edouard gehört, für eine Führung mit Degustation und Mittagessen eingeladen waren. Die Führung war sehr interessant, der Wein vorzüglich und das Mittagessen bestand aus fünf von einem lokalen Starkoch zubereiteten Gängen; kurz: eine unglaubliche Erfahrung! Am Donnerstag mieteten wir ein Auto und fuhren entlang der „Ruta Nacional 7“ bis kurz vor die chilenische Grenze. Die Kulisse mit vielen über 6‘000 Meter hohen Bergen, Seen und einer alten Bahnlinie war sagenhaft, ausserdem sahen wir Sehenswürdigkeiten wie den Puente del Inca und den 6‘962 Meter hohen Aconcagua. Auf einer kurvigen Strasse mit sehr wenigen Autos machte das Autofahren so richtig Spass! Unseren letzten „Ferientag“, den Freitag, verbrachten wir schliesslich mit dem Besuch zweier Bodegas, einer Olivenöl produzierenden Firma und einem kleinen Laden, wo ein Argentinier schweizerischer Abstammung Liköre, Schokolade und Konfitüre verkauft und sich so ein kleines Paradies aufgebaut hat. Am letzten Samstag schliesslich fuhren wir mit dem Bus nach Santiago, wo ich nach einer kurzen Nacht am Sonntag abreiste und via Madrid nach Zürich flog.
Ich hoffe, dass euch das Lesen meines Blogs Spass bereitet hat und danke euch allen für euer Interesse!